25.08.2014 Bodö nach Schönhagen

IMG_5341Das Frühstück in dem Hotel in dem wir schliefen war ausserordentlich reichhaltig. Wir schlugen uns die Bäuche voll. Nach dem Frühstück versorgten wir uns im nahe gelegenen Supermarkt mit hochprozentigem. Nicht mit dem hochprozentigem an das Sie jetzt denken. Wir sind seriöse Typen. Ich habe die Schwäche für das hochprozentige schon seit längerer Zeit. Beat hat sie während unserer Reise entwickelt. Mindestens 85% müssen es sein. 90% ist sogar besser und 99% ist nur für Fortgeschrittene. Das ist richtig guter Stoff. An dem Morgen wussten wir noch nicht, dass wir heute zum letzten Mal aus einem Hotel in Norwegen auschecken werden.

Auf dem Flugplatz von Bodö angekommen tankten wir unsere Aquila wieder einmal voll. Unser nächstes Ziel war Trondheim. George gab uns gestern noch ein paar Geheimtipps wo wir auf unserem Weg in Richtung Süden noch schöne Landschaften sehen werden. Natürlich folgten wir seinem Rat und flogen dem Strich nach, den er uns auf der Karte einzeichnete. Wir flogen in 4500 ft über einen riesigen Gletscher der nur ungefähr 15 Flugminuten südlich von Bodö liegt. Beat war wieder voll im Element. Er sah wieder Bilder von denen die meisten Menschen nur träumen können.

IMG_5365Weiter südlich flachten die Berge langsam ab und die Gletscher wurden immer kleiner bis sie bald total verschwanden. Kurz vor Trondheim kam in mir zum ersten Mal der Gedanke auf, dass wir es heute sogar bis nach Schönhagen schaffen könnten. Ich traute mich jedoch noch nicht, Beat damit zu belasten, da ich überschlagsmässig ausrechnete, dass wir heute fast 9 Stunden im Flieger sitzen würden. In Trondheim Varnes rollten wir direkt nach der Landung zur Tankstelle wo wir wieder voll tankten. Bevor wir starteten rief ich noch Eskil an, den wir auf unserem Weg Richtung Süden treffen wollten. Er erzählte mir, dass seine Tochter krank sei und er leider nicht auf den Flugplatz kommen könne. Er organisierte für uns jedoch, dass wir im Süden von Oslo auf einem kleinen Flugplatz mit dem Namen Raakestad landen können und wieder einmal voll tanken können. Wir brauchten auch noch einen halben Liter Öl. Natürlich nicht wir, sondern der Motor unserer Aquila. Kurz vor der Landung konfrontierte ich Beat zum ersten Mal mit meinem geheimen Plan. Er war ohne Widerrede damit einverstanden. Er hatte ja eigentlich auch keine andere Option. Die Dame von der Norwegischen Flugsicherung hatte Erbarmen mit uns und genehmigte meinen Flugplan trotzdem ich ihn mindestens eine Stunde vor Abflug hätte aufgeben müssen. 20 Minuten vor Abflug hatte ich die Bestätigung, dass unser Flugplan akzeptiert ist und wir los fliegen können. Es war schon 16.30 Uhr. Unsere geplante Flugzeit war 4 Stunden und 5 Minuten und der Flugplatz Schönhagen macht um 20.30 dicht. Das wird knapp. Zur Sicherheit rief ich noch in Schönhagen an und meldete dort, dass wir kurz nach 20.00 Uhr dort sein werden.

Wenn Sie jetzt mit gerechnet haben ist ihnen vielleicht aufgefallen, dass da etwas nicht aufgeht. Aber gemäss Wetterbericht sollten wir einen Rückenwind von ungefähr 20 Knoten haben und so werden wir das locker schaffen. Das mit dem Rückenwind ist immer so eine Sache. Da kam mir die philosophische Frage von Detlef in den Sinn. Detlef war unser Instruktor während der Fluglehrerausbildung. Die Frage war: „Was machen die Winde wenn Sie nicht wehen“? Damals antwortete ich ihm, dass mir das egal sei und mich nur interessiere, dass sie von hinten wehen wenn sie wehen. Bald mussten wir feststellen, dass die Winde wehten aber leider nicht von dort wo sie hätten wehen sollen. Die 20 Knoten stimmten aber die Richtung war um mindestens 90° daneben. Somit hatten wir einen Seitenwind von 20 Knoten, was immer noch viel besser ist als 20 Knoten Gegenwind.

Das GPS rechnete eine voraussichtliche Ankunftszeit von 20.39 Uhr. Wir hatten 9 Minuten die wir aufholen müssen. Alle 10 Minuten optimierte ich das Power Setting von dem Motor, um aus dem Motor und dem Propeller den höchsten Wirkungsgrad heraus zu kitzeln. Viel mehr war aus dem Motor nicht mehr heraus zu holen. Wir versuchten verscheiden Höhen aber der Wind blieb stur. Eine weitere Theorie, die ich Beat beweisen wollte bewahrheitet sich leider nur zum Teil. Die Windrichtung verändert sich im Uhrzeigersinn mit zunehmender Höhe und die Windstärke nimmt zu. Der erste Teil der Theorie bestätigte sich, aber der zweite Teil leider nicht. Das war wie verhext die Geschwindigkeit über Grund änderte sich nicht einen einzigen Knoten und das GPS rechnete immer noch mit einer Ankunftszeit von 20.39. Meine Hoffnung war, dass wenn wir leichter werden, dadurch auch schneller werden. Ich schlug Beat sogar vor seine Kamera und die schweren Objektive aus dem Fenster zu werfen. Das fand er keine gute Idee. Jetzt hatte ich wenigstens jemand dem ich die Schuld in die Schuhe schieben könnte wenn wir Schönhagen nicht rechtzeitig erreichen werden.

IMG_5470Kurz vor Göteborg kamen noch einmal kurze Zweifel hoch ob wir es überhaupt bis nach Deutschland schaffen würden. Eine Sturmfront zog von Südwesten nach Nordosten und die blöde Front war genau in unserem Weg. Das war eine richtig schwarze Wolke die da vor uns lag. Ich mit meinem schlecht Wetter erprobten Auge sah jedoch am anderen Ende ein helles Loch. Als wir uns der Front näherten teilte sich diese wie damals bei Moses das Rote Meer. War das wirklich bei Moses? Egal! Es gab noch eine gratis Wäsche für unsere Aquila, die wir ja sauber nach Hause bringen wollten, danach war bis ans Ende der Welt schönes Wetter zu sehen. Zwischen Malmö und Rügen überquerten wir die Ostsee.

IMG_5526Bei meinen Kontrollblicken in Richtung Westen musste ich immer wieder feststellen, dass die Sonne schon gefährlich nahe dem Horizont lag und wir noch mindestens 1 Stunde und 30 Minuten von Schönhagen entfernt waren. Jetzt war ich mir sicher, dass es bis 20.30 Uhr nicht mehr reichen wird, ohne dass ein Wunder geschieht. Wie das so ist geschehen die Wunder immer nur wenn wir sie nicht brauchen können. Dem war auch heute so.

IMG_5535Da ich mir sicher war, dass wir noch genug Treibstoff hatten schob ich alle Hebel nach vorne. Wir fingen an auf zu holen. Kurz vor 20 Uhr bat ich den Controller von Bremen Information in Schönhagen anzurufen, um denen zu sagen, dass wir ein paar Minuten Verspätung haben werden. Kurze Zeit danach meldete er sich mit der guten Nachricht, dass die in Schönhagen auf uns warten werden. In Schönhagen war der Sonnenuntergang für 20.09 Uhr berechnet. Der fliegerische Tag endet jedoch erst 30 Minuten nach Sonnenuntergang, was bedeutet, dass wir am 20.39 am Boden sein müssen. Ich gab alles und rechnete damit, dass wir durch die Kontrollzone von Tegel fliegen können. Leider war in Tegel gerade Rush Hour und wir mussten die Kontrollzone im Westen umfliegen. Über Potsdam fing das Flugzeug auf einmal an zu schütteln und eine Sekunde später klebten wir beide an der Kabinenhaube. Das war eine Windscheerung vom feinsten.

IMG_5543Kurz nach Potsdam meldete ich mich bei Schönhagen und informierte den Controller vom Turm, dass wir im Anflug sind. Er war offensichtlich erleichtert, dass er bald Feierabend machen kann. Um nicht noch eine ganze Platzrunde fliegen zu müssen, die uns auch wieder mindestens 5 Minuten gekostet hätte, machte ich ein Ziellandeübung. Genau um 20.39 schlugen die Räder unserer Aquila auf der Piste 25 in Schönhagen auf. Das Timing hätte fast nicht besser sein können. Ich Schönhagen wurden wir von Katrin, der Vertriebschefin von Aquila und ihrer Tochter empfangen. Wir versorgten unseren Fuel to Fun Converter in der Halle und gönnten uns noch ein wenig von dem hochprozentigen, das wir heute früh in Bodö noch gekauft hatten. Und zwar spreche ich von Schokolade mit einem Kakaoanteil von 90%. Müde aber hungrig gingen wir ins Hotel unseren Schlüssel abholen und danach gönnten wir uns noch ein Steak mit Gemüse.

Seit dem Beginn unserer Reise vor zwei Wochen sind wir exakt 34 Stunden und 58 Minuten geflogen. Die Reise werden Beat und ich bestimmt noch lange in Erinnerung behalten. Wir erlebten viele wunderschöne Höhen aber auch einzelne Tiefen. Wie das bei solchen Reisen so ist, bestimmt das Wetter sehr viel mit. Auch während unserer Reise durch Skandinavien mussten wir uns immer wieder nach dem Wetter orientieren. Beat hat während der ganzen Reise sehr viele unglaublich schöne und bezaubernde Bilder geschossen. Ich möchte mich auch noch einmal bei ihm bedanken für die gemeinsame Zeit mit ihm. Es hat wirklich sehr viel Spass gemacht mit ihm zu reisen. Ein wenig enttäuscht, dass die Reise vorbei ist aber auch sehr glücklich wieder einmal nach Hause gehen zu können bin ich eingeschlafen.

Die Reise wird bestimmt ein Kapitel in dem Buch das ich eines Tages schreiben werde.

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