24.08.2014 Tromsö nach Bodö (Lofoten)

Gletscherseen-03Der Tag heute früh startete mit einem kleineren Frust in mir. Ab 4.30 Uhr konnte ich nicht mehr schlafen. Wir hatten ein Zimmer in einem Hotel, das erst im Mai eröffnete wurde. Wie Sie sich vorstellen können war das Hotel nicht gerade billig. Trotzdem das Hotel von Weitem gar nicht so schlecht aussah, war es noch eine Baustelle. Ich stimmte Beat zu als er sagte, dass das Hotel in 10 Jahren ein Ruine sein wird. Die Klimaanlage im Zimmer war so laut, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Mir ging das im Bett hin und her wälzen irgendwann auf die Nerven, was mich dazu bewog auf zu stehen. Die gute Nachricht ist, dass das Wetter heute früh gut war und wir uns keine Sorgen darum machen mussten.

UBergwelt-01m 8.15 Uhr hatte ich einen Termin mit einem Interessenten für einen Demoflug. Wir trafen uns auf dem Flugplatz und auf dem Weg zum Flugzeug erklärte mir der Herr, dass er Chef Fluglehrer von dem lokalen Aero Club ist und nebenbei Professor an der Universität. Dem konnte ich wohl nichts mehr vormachen, dachte ich zu mir während wir ins Flugzeug einstiegen. Wir starteten in Tromsö und der Professor flog mit mir und der Aquila in einen nahe gelegenen Fjord. Die Landschaft erinnerte mich fast an meine Heimat, ausser dass unsere Berge ungefähr 3000 m höher sind und wir kein Meer haben. Der wusste wirklich was er tat. Souverän steuerte er die Aquila hin und her und nach ungefähr 20 Minuten kehrten wir zum Flughafen zurück und landeten auf der Piste 01 in Tromsö. Another smiling face. Das war ein guter Start in den Tag.

Ein älterer Herr von Avionor holte uns mit einem Jeep ab und fuhr uns zum Flugzeug. Wann in Norwegen die Leute pensioniert werden weiss ich nicht aber wenn ich mir den Herrn anschaute dachte ich mir, dass er bestimmt seine letzten Arbeitstage in nicht all zu ferner Zukunft haben wird. Als ich ihn darauf hinwies, dass wir noch die Landgebühr zahlen müssen erwiderte er, dass heute zu schönes Wetter sei, um eine Landegebühr zu bezahlen und er unsere Gebühr einem der grossen Businessjets verrechnen werde. Weder ich noch Beat hatten einen Einwand gegen den Plan von dem netten Herren. Am Flugzeug angekommen lud ich wieder einmal unser ganzes Gepäck in den grossen Gepäckraum der Aquila. Während dem Einladen fing mich wie aus heiterem Himmel das schlechte Gewissen an zu plagen. Mir wurde zum ersten Mal bewusst, dass Beat schon stundenlang auf mich warten musste, während ich mich mit den ganzen Interessenten in den Demoflügen vergnügte. Ob er mir das wohl übel nimmt? Ich warte bis am Ende unserer Reise und frage ihn erst dann. Die Frage kann ich mir eigentlich sparen, da ich auch nach jedem Demoflug in seinem Gesicht ein Grinsen sehe. Er freut sich auch darüber, wenn er die smiling Faces der Leute nach einem Demoflug sieht.

Gletscher-01Wir rollten zu der Tankstelle und tankten unsere Aquila voll. Kurz nach 10.00 Uhr starteten wir in Tromsö in nördlicher Richtung und stiegen bis auf 6000 ft. Für ungefähr 15 Minuten flogen wir zuerst in Richtung Norden obwohl unser nächstes Ziel Bardufoss im Süden lag. Wir hatten eine der unzähligen Inseln der Lofoten im Visier auf der sich 6000 ft hohe Berge erhoben. Für mich als gestandener Pilot der schon hunderte Stunden in den Alpen geflogen ist war das schon fast Routine. Aber Beat war fast aus dem Häuschen. Mir kam das fast vor wie ein Frustfotografieren, Weil er gestern nicht den Lotto Jackpot knackte musst er seinen Frust beim Fotografieren rauslassen. Andere Leute fangen aus Frust an Schokolade zu essen oder die Wohnung zu putzen, Beat fängt an zu fotografieren. Das ist nicht unbedingt das schlechteste Laster, da ungefähr 80% der Bilder die er macht aus meiner Sicht preisgekrönt werden müssten. Jetzt muss ich aber auch ganz ehrlich zu geben, dass mir die Gegend auch fast den Atem verschlagen hat. Berggipfel, Gletscher die fast bis ins Meer reichten, türkisfarbene Gletscherseen in denen sich die Gletscher und die Berge spiegelten und steile Felswände in der reinsten Form. Ein Amerikaner würde sage: “Awesome”. Wir konnten uns fast nicht davon trennen aber wir hatten noch einen Termin mit George in Bardufoss.

Arbeit-01In Bardufoss demonstrierte ich Beat die wie ein Instrumentenanflug geflogen wird. Trotz schönstem Wetter flog ich den ganzen Anflug nur nach Instrumenten. Natürlich war das nur ein simulierter Instrumentenflug, da die Aquila nicht für Instrumentenflug zu gelassen ist. Am Boden rollten wir zu dem hintersten Hangar wo George schon auf uns wartete. Er war sehr gut über die Aquila informiert und erklärte zwei seiner Kollegen das Flugzeug. Dieser junge Mann war sehr motiviert. Da uns unsere Reise nicht wie geplant über Kiruna führte, wo wir die Karten für Norwegen hätten kaufen wollen, kopierte George uns eine Karte. Um ihnen ein Bild zu geben wie gross Norwegen ist, können Sie sich vorstellen, dass ein Karte ungefähr die Grösse einer Bettdecke hat und von denen gibt es drei. Er kopierte uns nur den Teil den wir brauchten. Bevor wir Bardufoss verliessen arrangierte er für uns noch ein Treffen mit dem Chef Fluglehrer von dem Aero Club in Bodö,

Lofoten-01In Bardufoss starteten wir in Richtung Westen was uns genau nach Andenes führen sollte. Beat hatte die Wale noch nicht vergessen. Und er forschte der grösste Teil der letzten Nacht nach Plätzen wo es Wale zu sehen gibt. Bei seinen Recherchen stiess er auf Andenes. Dieser Ort liegt am nördlichsten Ende der Lofoten. Sozusagen das Nordkapp der Lofoten. Dort pilgern die Touristen in Scharen hin, um Wale zu sehen. Für uns war Andenes nur ein Umweg von nicht einmal einer Stude, den wir gerne in Kauf nahmen. Auf dem Weg Richtung Andenes montierte Beat das Teleobjektiv auf seiner Kamera, um gerüstet für den Shot seines Lebens zu sein. Minutiös suchten wir die Meeresoberfläche nach weissen Fontänen ab. Ich fragte sogar den Controller von dem Tower in Andenes ob er wisse ob sich Wale in der Gegend aufhalten. Er wusste leider auch nichts, aber gab uns ein paar Tipps in welcher Richtung die Wahrscheinlichkeit am grössten ist welche zu sehen. Leider fanden wir keine und fast schon ein wenig enttäuscht drehten wir in Richtung Süden ab. Sie können sich gar nicht vorstellen wie ich das Beat gegönnt hätte, dass er einen Wal vor die Linse bekommen hätte. Das hätte die ewige Warterei während meinen Demoflügen bestimmt kompensiert und ich wäre fein raus gewesen und müsste mir kein schlechtes Gewissen mehr machen. Es hat nicht sollen sein.

Gletschersee-02Nach zehn Minuten Stille im Cockpit wechselte Beat das Objektiv wieder und er hielt wieder nach schönen Landschaften Ausschau. Immer wieder bin ich verblüfft was für ein Auge er für schöne Bilder hat. Er weiss immer genau wo er hinschauen muss. Wie macht der das? Ich schaue doch auch andauernd raus aber der sieht Bilder die ich nicht einmal wahrnehme. Unglaublich. Nur alleine in den Lofoten könnten wir uns mindestens zwei Wochen verweilen und wir hätten nur erst einen kleinen Teil davon gesehen. Während wir unsere Kreise um die Berge und die Fjorde zogen kam uns auf einmal in den Sinn, dass wir noch einen Termin in Bodö hatten. Ein weiterer Demoflug und wieder einmal mehr ein smiling Face und Beat musste schon wieder auf mich warten. Das wird mir langsam echt peinlich. Natürlich nicht das mit den smiling Faces sondern das Warten von Beat.

Zimmerblick-01Unser Plan war ursprünglich nach der Demo mindestens bis nach Trondheim zu fliegen. Aber die Leute sind meistens fast nicht mehr von der Aquila weg zu bringen, was bei einem Flugzeug, das seit gestern in Insiderkreisen als Fuel to Fun Converter bezeichnet wird auch nicht schwierig nach zu voll ziehen ist. Um 18.00 Uhr entschlossen wir uns in Bodö zu übernachten. Bjrön, das neuste Mitglied von dem Aquila Smiling Faces Club brachte uns in die Stadt wo wir ein Hotel fanden mit Zimmern mit Meerblick.

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