23.08.2014 Nordkapp

Insel-01Beim Frühstück trafen wir die beiden Schweizer von gestern Abend wieder, die auch mit Santa Claus Hotel schliefen und frühstückten mit ihnen gemeinsam. Als wir auscheckten kamen die beiden auch und die waren so lieb uns auf den Flughafen zu fahren. Das war doch ein guter Start in den Tag. Ich hätte um ein Haar geschrieben: ein guter Tag in den Start. So durcheinander bin ich nach einem Tag mit so vielen Erlebnissen. Die Wolkendecke über Rovaniemi hängte immer noch auf 1000 ft über Grund, aber im Norden war deutlich zu erkennen, dass dort schönes Wetter herrschte. Wie gestern war unser Ziel heute Kirkenes, das ganz im Norden von Norwegen direkt an der russischen Grenze liegt. Kurz nach dem Start drehten wir auf einen nordöstlichen Kurs in Richtung Ivalo. Schon nach ungefähr 10 Minuten in der Luft breitete sich vor uns schönes Wetter aus.

Inseln-02Ich spürte wie Beat auf seinem Sitz hin und her rutschte. Was genau der Grund dafür war weiss ich natürlich nicht. Ich traute mich auch nicht ihn zu fragen, aber ich denke er hoffte insgeheim wieder einen Elch zu sehen. Kurz nachdem ich mir das gedacht hatte sah er eine Bärenfamilie, die sich offenbar gestört fühlte und als ich einen Kreis über ihr machen wollte sich in den Wald zurückzog. Leider reichte es nicht für ein Bild zu machen. Ein paar Kilometer bevor wir Ivalo erreichten verdichteten sich die Wolken wieder und kurz darauf lag wieder eine geschlossenen Wolkendecke über uns. Die Wolken waren jedoch auf ungefähr 4000 ft über Grund was für uns kein Hindernis war. Je nördlicher wir kamen desto dünn besiedelter wurde die Gegend. Ab und zu sahen wir auf einem der unzähligen Seen ein Boot aber sonst war weit und breit niemand zu sehen.

Russland-01Ungefähr 20 Minuten vor Kirkenes kamen wir der russischen Grenze gefährlich nahe. Wenn ich dem GPS glauben kann war der äussere Teil von dem rechten Flügel unserer Aquila über russischem Boden. Weiter traute ich mich nicht, da wir keine Lust auf eine Audienz im Kremel hatten. Kurz danach überflogen wir die norwegische Grenze und landeten in Kirkenes. Als erstes tankten wir unsere Aquila voll und begaben uns auf den Tower, um einen Flugplan aufzugeben. Der Herr vom Tower war sehr freundlich und hilfsbereit. Er war offensichtlich sehr froh, dass mal wieder jemand bei ihm vorbei schaut.

Lachsfram-01Um 14.00 Uhr starteten wir in Kirkenes mit dem Ziel heute noch nach Tromsö zu kommen. Doch bevor wir in Tromsö ankamen hatten wir noch die Krönung unserer Reise auf dem Plan. Nämlich das Nordkap. Auf dem Weg von Kirkenes Richtung Nordkap überflogen wir wunderschöne Landschaften und Fjorde die für uns normal sterblichen schon fast unglaublich sind. Wir sahen auch zahlreiche Lachsfarmen in den Fjorden. Jetzt wussten wir endlich woher unser Frühstück der letzten paar Tage kam.

Obwohl ich schon mindestens 10 Mal am Nordkap war bekam ich wieder Hühnerhaut. Erst als ich auf die Aussentemperaturanzeige schaute wurde mir klar, dass die Hühnerhaut darauf zurückzuführen war, dass es draussen nur noch 2° hatte. Erstaunlich gelassen, wies mich Beat auf einmal darauf hin, dass er gerade ein Rentier entdeckte. Ein wenig mehr Emotionen hätte ich von ihm schon erwartet. Immerhin war das sein erstes Rentier, das er in freier Wildbahn gesehen hat. Er fotografierte es und ging sofort danach wieder zur Tagesordnung über. Wie der seine Emotionen im Griff hat. Aber ich schmunzelte nur, da ich wusste, dass ich es heute schaffen würde seinen Puls deutlich über den Ruhepuls ansteigen zu lassen.

Nordkap-02Nur noch 10 Minuten Flug lagen vor uns bevor wir das Nordkap erreichten. Frühzeitig begannen wir den Überflug zu planen, um die besten Bilder davon zu machen. Der Plan war perfekt. Das Licht leider nicht so. Die Fotografen sind einfach nie zufrieden dachte ich mir. Wir sind hier nicht in einem Fotostudio! Das ist das wahre Leben. Zuerst flogen wir südlich am Nordkap vorbei und dann drehten wir in einer Rechtskurve um den nördlichsten Punkt Europas. So hatte Beat das Nordkap auf seiner Seite und konnte es ungestört fotografieren.

Nordkap-01Mit jedem Meter den wir näher an den magischen Punkt kamen fing das Flugzeug mehr an zu vibrieren. Die Vibrationen wurden immer schneller. Ich hielt schon Ausschau nach einem Platz für eine Notlandung bis ich auf auf einmal spürte, dass sich das Flugzeug in einer Frequenz von ungefähr 120 Schlägen pro Minute bewegte. Das war Beat’s Pulsfrequenz. Erleichtert mich nicht mit einem technischen Problem beschäftigen zu müssen gab ich alles. Steilkurven, schnelle Übergänge vom Sinkflug in einen Steigflug, alles was innerhalb der Betriebsgrenzen der Aquila liegt. Ich dachte mir, dass unsere Aquila auch etwas von unserer Freude haben soll. Die hat sich bestimmt auch gefreut nicht immer nur gerade aus fliegen zu müssen. Nach ungefähr 27 Überflügen musste ich den Steuerknüppel mit beiden Händen ergreifen, um die Aquila in Richtung Süden zu steuern. Beat brachte es auf den Punkt: Die Aquila ist ein Fuel to Fun Converter.Für den Slogan müsst er eigentlich viel Geld bekommen. Es macht wirklich Spass mit dem Flugzeug neue Welten zu entdeckten. Selbst ich wo schon über 100 verschiedene Flugzeugtypen geflogen bin freue mich vor jeden und auch während jedem Flug mit der Aquila.

Nordkap-03Stellen Sie sich das einmal vor. Nicht einmal fünf Minuten nach dem höchsten aller Gefühle, die ein Fotograf haben kann erwähnte Beat, dass es doch genial wäre wenn wir jetzt noch Wale spotten würden. Das ist wie ein Hund der einmal Blut geleckt hat. Wir fingen völlig an durchzudrehen. Letzte Woche sprechen wir noch davon eventuell auch einmal ein Reise durch die USA zu machen und jetzt fünf Minuten nachdem wir das Nordkap überflogen und fotografierten sprachen wir von Flügen über den  Nordpol und dann Südpol. Mir kam dabei folgendes Sprichwort in den Sinn: „Think big, start small, have it all“. Uns blieb nicht lange Zeit weiter zu spinnen, da wir noch viele wunderschöne  Fjorde und bezaubernde Landschaften auf unserem Weg bis nach Tromsö vor uns hatten. Was wir da alles sahen, kann niemand mit Worten beschreiben. Das können nur die Bilder die Beat machte vermitteln. Ich habe erst ein paar von den Bildern gesehen und sie können mir glauben, auch ihr Puls wird auf mindestens 120 Schläge pro Minute steigen wenn sie die sehen werden.

Landung-01Nach ungefähr drei Stunden Flug und mehreren Gigabit Bildern landeten wir in Tromsö, das als das Paris des Norden bezeichnet wird. Seit ich das letzte mal vor ungefähr 10 Jahren hier in Tromsö war hat sich in der Stadt viel verändert. Die schönen Hütten die damals die Hafenstrasse zierten mussten grossen hochmodernen Hotels weichen. Die Stadt verlor dadurch in meinen Augen ihren Charme. Schade. Auch die Gastfreundschaft war nicht mehr so wie ich das in Erinnerung hatte.

Heute gab es nach dem Abendessen wieder eine kurze Hafentour und danach gingen wir voller Emotionen (ich wette auch Beat hat heute Abend welche) ins Bett.

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