22.08.2014 Oulu nach Rovaniemi

Wildnissee-01Bei mir kam heute wie schon am Wochenende in Helsinki das „Täglich grüsst das Murmeltier“ Gefühl auf. Ich traue mich schon fast gar nicht mehr den Vorhang auf zu machen und im Internet nach dem Wetter zu schauen. Als ich in den Computer starrte musste ich mich zweimal vergewissern, dass die Wetterkarten das Datum von heute hatten und nicht die von gestern kopiert wurden. Beim Frühstück hatte ich das Gefühl, dass bei Beat das schlechte Wetter auch langsam zur Routine wird. Nach einer kurzen Beratung verabredeten wir uns am 10.00 Uhr zum Flughafen zu fahren. Als wir am Flughafen ankamen waren die Wolken noch tief. Eine geschlossene Nebeldecke auf 300 ft über Grund. Wir luden unser Gepäck ins Flugzeug und begaben uns ins Terminal Gebäude, wo wir uns in ein Restaurant sassen.

Jede halbe Stunde checkten wir die aktuellen Wettermeldungen. Die Meldungen werden immer um 20 nach und um 10 vor von jeder Stunde aktualisiert. Jede halbe Stunde hob sich die Nebeldecke um 100 ft. Um 13.00 Uhr holte ich vom Flugzeug meinen Computer und gab einen Flugplan für 14.00 Uhr auf. Kurz vor 14.00 Uhr checkten wir noch einmal das Wetter und wir stellten fest, dass jetzt die Nebeldecke auf mehr als 1000 ft über Grund lag und sogar schon einzelne blaue Löcher auszumachen waren. Bis wir das Flugzeug vollgetankt hatten war es schon wieder 20 nach und der aktuellste Wetterbericht meldete eine Wolkenuntergrenze von 1500 ft über Grund.

Wetter-01Endlich ging unsere Reise weiter. Unser Ziel war Rovaniemi. Auf dem Weg nach Rovaniemi versuchten ein paar lokale Schauer uns einen Strich durch die Rechnung zu machen, aber wir zeigten denen wer hier der Chef der Lüfte ist. Da wir schneller waren als die Schauer hatten die keine Chance gegen uns. Wir umflogen sie kurzerhand und liessen sie schliesslich hinter uns.

Elch-01Auf einmal schrie Beat voller Aufregung. Ich hatte schon Angst, dass wir einen Flügel verloren hatten. Doch nachdem ich links und rechts aus dem Fenster schaute, war mir klar das sonst etwas Wichtiges in seinem Leben passiert sein muss. Als er wieder zu Atem kam zeigte er mit seinem Finger nach rechts unten und sagte ganz ruhig: „Ein Elch“. Ich bin immer wieder verblüfft wie Beat seine Emotionen unter Kontrolle hat. Als ich vor vielen Jahren meinen ersten Elch aus dem Flugzeug gesehen hatte, machte ich kurzerhand einen Looping. Erst jetzt wurde mir klar, dass Beat ja gar nicht geflogen ist und ich den Looping für ihn hätte machen sollen. Da die Aquila nicht kunstflugtauglich ist, bin ich im Nachhinein froh, dass nicht ich heute meinen ersten Elch gesehen hatte. Um Beat doch noch die Chance zu geben den Elch zu fotografieren flog ich zwei Kreise um den Elch. Das war fast wie damals mit dem Eruofighter über Rostock Laage. Auf den ersten fünf Bildern die er machte waren nur Bäume zu sehen. Ich als nicht Fotograf hätte eventuell ein wenig näher heran gezoomt. Aber da Beat der Profi ist traute ich mich nicht das in seiner Anweseheit zu erwähnen.

Obwohl ich vor vielen Jahren schon einmal in Rovaniemi landete, konnte ich mich nicht mehr daran erinnern, dass sich der Flughafen auf einer Anhöhe nördlich der Stadt befindet. Ohne GPS würden wir jetzt wahrscheinlich immer noch über der Stadt kreisen und den Flughafen suchen. Da auch hier die Wolkenuntergrenze nicht wirklich hoch war, flogen wir schon ziemlich tief. Als wir schon im Endanflug waren, sagte Beat, dass die Piste direkt vor uns liegt. Wir waren einen Kilometer vor der Landung schon fast auf der gleichen Höhe wie die Piste, was natürlich nicht im Sinne des Erfinders ist. Das war mir schon fast peinlich. Ich versuchte meine Ehre zu retten, indem ich Beat demonstrierte wie man im Endanflug den Anflugwinkel korrigiert. Nämlich mit dem Gas und nicht mit dem Höhenruder. Ich schob den Gashebel voll nach vorne und nach kurzer Zeit waren wir wieder auf dem richtigen Gleitwinkel, der übrigens normalerweise 3° beträgt.

PolarkreisDer Flughafen Rovaniemi liegt genau auf dem Polarkreis. Als wir die Weltkarte im Terminalgebäude anschauten wurde uns zum ersten Mal bewusst wie weit nördlich wir schon sind. Wir sind jetzt schon auf der gleichen Geografischen Breite wie Grönland. Ohne den warmen Golfstrom wären wir jetzt schon im ewigen Eis. Nach einer kurzen Beratung in welche Richtung unsere Reise weitergehen sollte beschlossen wir, dass unsere nächste Station Kirkenes in Norwegen sein sollte. Um 17.30 Uhr starteten wir auf der Piste 03 in Richtung Norden. Die Wolkendecke in Rovaniemi lag bei ungefähr 1700 ft über Grund.

Tiefflug-01Auf unserem Weg Richtung Norden blieb die Wolkenuntergrenze gleich hoch, aber der Boden kam immer höher. Irgendwann war der Boden so hoch, dass wir mit dem Seitenleitwerk an der Wolkenuntergrenze kratzten und wir nur noch ein Höhe von 550 ft über Grund hatten. Die vorgeschriebene Mindesthöhe über Grund liegt bei 500 ft. Zu allem Übel setzte auch noch Nieselregen ein. Obwohl in weiter Ferne ein helles Loch zu sehen war beschloss ich die Übung ab zu brechen und um zu drehen. Wahrscheinlich wären wir durchgekommen und höchstwahrscheinlich wäre alles gut gegangen. Bei solchen Übungen gab es schon viele Unfälle und ich habe keine Lust in einer Unfallstatistik aufzutauchen. Auf dem Weg zurück nach Rovaniemi flog ich noch ein wenig kreuz- und quer über die Prärie in der Hoffnung noch einen Elch oder das eine oder andere Rentier zu spotten. Um Beat noch ein Gefühl zu geben, dass der Flug nicht ein weiteres Kapitel in dem Buch „Der Flug war umsonst“ wird, machte ich noch ein paar 60° Kurven. Die g Belastung bei einer Kurve mit 60° Kurvenneigung entspricht genau 2 g. Das war die erste 2 g Belastung für Beat.

Zurück auf dem Flughafen von Rovaniemi half uns ein Herr vom Groundhandling ein Hotel in der Stadt zu finden. Er empfahl uns das Hotel Santa Claus und rief auch direkt dort an und reservierte für uns Zimmer. Als wir in Rovaniemi ankamen realisierten wir erst, dass hier der Weihnachtsmann zu Hause ist. Unzählige Touristen aus der ganzen Welt, speziell aus Japan, kommen jedes Jahr dorthin, um den Weihnachtsmann zu besuchen.

Als wir uns im Restaurant an den Tisch sassen hörte ich direkt, dass am Tisch nebenan ein Paar sass, das Schweizerdeutsch spricht. Das grösste, war das die Frau sogar Walliserdialekt sprach. Als wir aufstanden und gehen wollten wünschte ich den Beiden einen schönen Abend. Es stellte sich heraus, dass die beiden auch heute in Rovaniemi angekommen sind und die nächsten zwei Wochen mit dem Auto durch den Norden von Skandinavien fahren werden.

Nach dem Abendessen machten wir uns wieder auf den Weg zu unserer Hafentour, als wir auf einmal feststellten, dass es in Rovaniemi gar keinen Hafen gibt. Aber es gab ein Fluss. Wir entschlossen uns zum Fluss zu laufen. Auf dem Weg dorthin liefen wir an einer Gruppe Jugendlichen vorbei, die irgendetwas rauchten. Sogar ich als Nichtraucher und jemand der auch nie geraucht hat, merkte, dass die etwas rauchen das offenbar bewusstseinsverändernd wirkt. Was für ein Kraut das war weiss ich nicht aber es war bestimmt kein getrockneter Hasenmist. Stellen Sie sich vor Sie müssten an dem Ort wohnen wo der Weihnachtsmann zu Hause ist. Dann müssten Sie ein Leben lang an de Weihnachtsmann glauben. Ich wette da würden auch Sie irgend etwas zu sich nehmen das das Bewusstsein verändert. Wir als Schweizer sind dagegen allerdings immun, da wir nicht an den Weihnachtsmann glauben sondern ans Christkind. Glücklich uns zufrieden, dass wir uns nicht um den Weihnachtsmann sorgen müssen gingen wir ins Bett.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *