18.08.2014 Depression

Radarbild-01Eigentlich sagt der Titel von diesem Beitrag schon alles aus. Der heutige Tag war geprägt von einer Schlechtwetterdepression. Schon am Morgen als ich den Vorhang in meinem Hotelzimmer aufgemacht habe, war der Tag für mich gelaufen. Mit tief hängenden Mundwinkeln ging ich runter in den Frühstücksraum und konnte es kaum glauben, dass Beat eine Art Grinsen in seinem Gesicht hatte. Ich führe es darauf zurück, dass er noch nicht geahnt hat, was uns heute erwarten wird. Er ist ja auch noch ein Rookie in Sachen Flugreisen. Zuerst habe ich zu mir selbst gedacht, dass ich gute Mine zum bösen Spiel machen soll, was ich aber dann als sehr unfair empfunden habe. So langsam habe ich versucht ihm klar zu machen was auf uns zukommt. Da ich seine Hoffnung nicht vollständig zerstören wollte, habe ich immer wieder auf meinem Mobiltelefon den Wetterbericht angeschaut und gesagt, dass es vielleicht doch noch Hoffnung gibt.

Heikki hat uns so gegen 9.30 abgeholt. Als wir am Flughafen ankamen war die Erleichterung sehr gross. Wir waren nicht in dem Film: „Täglich grüsst das Murmeltier“. Keine Schlange mehr beim Eingang und auch keine Tigermoth die ihre Kunststücke vorführte. Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass das Wetter, um es gnädig auszudrücken, versch….. war.

Nichtsdestotrotz gingen wir ins Flughafenrestaurant wo Heikki uns einen sehr angenehmen Herrn vorstellt. Der Präsident von einem lokalen Aero Club und sehr interessiert an der Aquila. Eigentlich war geplant, dass ich mit ihm einen Demoflug mache, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dem Herrn nicht so ganz wohl bei der Sache war in diesem Wetter fliegen zu gehen. Oder war es vielleicht weil er mich gesehen hat? Mittlerweile hatte es sogar aufgehört zu regnen. Das Gespräch mit dem Herrn war sehr interessant und ich habe ihm klargemacht, dass die Aquila für seinen Club sehr gut geeignet sei. Zu meiner Überraschung wusste er das schon und er hat sich nach guten Argumenten erkundigt, mit denen er die Aquila seinen Clubmitgliedern schmackhaft machen kann. Diese Argumente habe ich ihm natürlich mit Genuss mitgeteilt.

Trotz dem starken Wind und dem schlechten Wetter hat sich Heikki nicht davon abbringen lassen einen Testflug mit der Aquila zu machen. Wir haben die Maschine startklar gemacht und uns darin installiert. Als wir in der Luft waren haben wir erst gemerkt, wie stark der Wind war. Auf 1500 ft hatte der Wind mehr als 40 Knoten. Das ist ziemlich viel, jedoch hielten sich die Turbulenzen in Grenzen. Das waren perfekte Bedingungen, um Heikki die Rückwärtsflugeigenschaften der Aquila zu demonstrieren. Um das zu verstehen muss ich hier die Physik und Aerodynamik zu Hilfe nehmen. Das Flugzeug interessiert nur die Geschwindigkeit die es gegenüber der Luft hat. Wenn 45 Knoten Gegenwind herrschen und die Mindestfluggeschwindigkeit von dem Flugzeug 38 Knoten sind, dann kann das Flugzeug gegenüber dem Boden mit 7 Knoten rückwärts fliegen. Das funktioniert natürlich nur, wenn die 45 Knoten Gegenwind sind. Jetzt die Frage an unsere geehrten  Leser: Wie schnell würde das Flugzeug gegenüber dem Boden fliegen, wenn die 45 Knoten in einem Winkel von 45° von hinten rechts kommen würden?

Heikki war wie alle anderen mit denen ich bis jetzt geflogen bin begeistert von der Aquila. Wieder zurück auf dem Boden gingen wir auf direktem Weg in das Flugvorbereitungsbüro, wo wir uns über das aktuelle Wetter auf unserer geplanten Strecke informierten. Ich habe schon dem Gesichtsausdruck von der Dame die uns beraten hat angesehen was uns erwartet. Ein Tiefdruckwirbel über dem Süden von Skandinavien der eine Front nach der anderen in unsere Richtung transportiert. Während dem Mittagessen ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass Beat langsam anfängt zu realisieren auf was er sich da eingelassen hat. Ich versuchte immer mir einzureden, dass ich ja eigentlich nichts dafür kann, aber der Gedanke liess mich trotzdem nicht los, dass ich für seinen langsam aber sicher aufkommende Depression verantwortlich bin. In Wahrheit schiebe ich ihm die Depression nur zu, um mit meiner eigenen besser fertig zu werden. Eigentlich ist Beat voller Tatendrang und ich depressiv. Nachdem ich allen Mut zusammengenommen habe und mich innerlich gesammelt habe, habe ich ihm mitgeteilt, dass er sich darauf einstellen muss, dass wir heute nicht weiterkommen werden und im schlimmsten Fall sogar hier überwintern müssen. Zu meiner Überraschung hat ihn das gar nicht so tief berührt wie ich befürchtet habe, bis mir klar geworden ist, dass er als Segler auch schon in solchen Situationen war. Als er sich damit abgefunden hatten, gingen wir erleichtert das Flugzeug anbinden und Heikki hat uns ins Hotel gefahren.

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